Donnerstag, 3. april 2008
Immer wieder wird von Nachwuchsfilmern darüber diskutiert, wie man sich und sein Drehbuch dagegen schützen kann, daß es geklaut wird. Dabei
ist mir aufgefallen, daß die meisten viele kreative Ideen haben, wie man das anstellen könnte, aber offensichtlich kaum einer so wirklich weiß, auf was es ankommt und vor allem - um das mal
vorneweg zu nehmen - daß es sowieso gar nicht notwendig ist.
Deshalb möchte ich mich
mal mutig aufmachen und mit Hilfe des meiner Meinung nach hervorragenden Buches "Filmrecht im Kino- und TV-Geschäft" von Patrick Jacobshagen kurz zusammenfassen, was man als Nachwuchsfilmer über
Urheberrechtsschutz wissen sollte. Das Buch kann ich nur jedem wärmstens empfehlen, der in Richtung Film will. Es kostet 25 Euro - kann man sich ja auch schenken lassen.
Erst mal ganz grundsätzlich: Filmstoffe sind durch das Urheberrecht geschützt, und zwar ohne daß man als Autor etwas dafür tun muß. Das
Patentrecht schützt ausschließlich "technische Erfindungen", Drehbücher können also nicht "patentiert" werden!
Ideen sind nicht zu schützen, Ideen sind frei! Der Schutz beginnt erst dann, wenn von einem Werk gesprochen werden kann, von einer
konkreten Geschichte. Im Falle eines aufgeschriebenen Filmstoffes nennt man diese Geschichte Exposé. Sobald man also ein Exposé geschrieben hat, ist es automatisch urheberrechtlich geschützt.
Punkt! Wie ausführlich ein Exposé sein muß, ist nicht genau vorgeschrieben, aber es sollte zumindest so sein, daß daraus hervorgeht, was diese Geschichte von einer anderen mit der gleichen
Grundidee unterscheidet. Als klassisches Beispiel: die Krankenhausserie. Die Idee, eine Geschichte z.B. in der Notaufnahme eines Krankenhauses spielen zu lassen (ER oder Alphateam), kann man
nicht schützen, und dementsprechend hat da auch niemand geklaut. Wenn man nun ein Exposé schreibt, aus dem hervorgeht, daß es sich eindeutig um Alphateam handelt, ist es urheberrechtlich
geschützt.
Das gleiche gilt für Eure Exposés/Geschichten/Drehbücher. Sobald Ihr sie geschrieben
habt, sind sie geschützt. Punkt! Ohne "Patentierung" oder wie auch immer geartete Methode, sie zu schützen, denn so funktioniert das deutsche Urheberrecht. (Dieses Recht kann man übrigens auch
nicht abtreten oder verkaufen. Was möglich ist, ist die Nutzungsrechte abzugeben - das tut man z.B., wenn man ein Drehbuch verkauft - aber darüber darf sich jeder selbst informieren. Kauft das
Buch! )
Das, was immer diskutiert wird, betrifft also etwas Anderes, nämlich das sogenannte
Prioritätsprinzip, die Frage, seit wann existiert der Stoff. Und hier kommt der große Knackpunkt, der all die so oft genannten Methoden unnötig macht.
Nehmen wir mal an, irgend jemand (ein Autor, eine Produktionsfirma, etc.) hat vor, einen Stoff, den er von Euch bekommt, zu klauen. Was muß er
tun? Er schreibt ein Buch/dreht einen Film und behauptet einfach, er hätte die Geschichte zeitgleich erfunden oder sie sowieso schon seit Jahren in der Schublade liegen. Und nun müßt Ihr (!)
beweisen, daß das Buch/der Film allein auf Eurem Stoff beruht.
(Kurzer Einschub: macht
Euch bewußt, daß wir hier - wie bei allen "rechtlichen" Diskussionen - davon reden, vor einem Gericht einen Prozeß führen zu müssen, um die Rechtefrage zu klären. Nur vor einem Gericht wird
(Urheber)recht gesprochen.)
Also: das Wichtige ist nicht, ob Euer Stoff zu einem bestimmen Zeitpunkt existiert hat.
Nein, Ihr müßt beweisen, daß er wirklich von jemandem geklaut und umgesetzt wurde! Deswegen sind all die folgenden Methoden hinfällig, denn sie beweisen nur, wann Euer Stoff existiert
hat:
- Registrierung bei der Writer's Guild (ist nur eine nette Einnahmequelle für
die)
- den Stoff sich selbst zuschicken (ist sowieso nicht
fälschungssicher)
Das bezeichnet Jacobshaussen
übrigens als "Ausdruck schwerster Paranoia"!
- Anwalt oder Notar
(kostet ohnehin sehr viel Geld)
So hart das klingt, all das könnt Ihr vergessen! Vergeßt es einfach und bitte erklärt auch allen anderen, von denen Ihr davon
hört, daß sie es vergessen sollen! Ist nur unnötige Energie.
Okay, jetzt fragt Ihr
Euch: "Aber was kann ich denn machen?"
Es existiert zum Glück eine Maßnahme, die absolut sicher schützt: zeigt Eure Texte
niemandem, schon gar keinem Produzenten oder Filmemacher. Schreibt Sie, haltet Sie in der Hand, freut Euch und legt sie dann in eine Schublade, die ihr abschließt. Werft den Schlüssel weg und
vergeßt, daß Ihr sie geschrieben habt.
Okay, Spaß beseite. Denn weil Ihr aus Euren Stoffen ja sicher Filme machen wollt, und sie
eben doch jemandem zeigen müßt, damit daraus Filme werden, müßt Ihr es wohl oder übel einfach wagen. Hier ein gutes Argument dafür, sich nicht zu viel Sorgen über Urheberschutz zu
machen:
Jeder Produzent, der aus einem unerlaubt übernommenen (geklauten) Stoff einen Film macht,
lebt mit dem Risiko eines Prozesses vor Gericht und vor allem der Möglichkeit, den Prozeß zu verlieren. Und das wäre für ihn verheerend, allein schon was die in den Sand gesetzten Kosten angeht,
denn der Autor, von dem geklaut wurde, ist berechtigt, die Veröffentlichung des Stoffes zu untersagen. Für einen Fernsehfilm wären das so 1,5 Millionen Euro, für einen Kinofilm leicht das
fünffache. Jeder Producer, der also bei Sinnen ist, kauft den Stoff oder das Exposé und gut is'.
Außerdem werden gute
Autoren ständig gebraucht. Hat also jemand etwas geschrieben, das so gut ist verfilmt zu werden, geht die Produktion leichtfertig an einem Talent vorbei, wenn sie den Autor
übergeht.
Und abschließend das Wichtigste für die, die sich immer am meisten unnötige Gedanken dazu
machen:
All diese langwierigen Ausführungen werden sowieso erst wichtig, wenn man mit dem Filmemachen in einen kommerziellen Bereich
kommt. (Denn nur da geht es um so viel Geld, daß jemand bereit wäre, vor Gericht zu gehen.)
Wenn Ihr also dabei seid, einen Kurzfilm vorzubereiten, den Ihr - sicherlich so professionell Ihr könnt, aber eben nicht
kommerziell - mit anderen Filminteressierten, Freunden, Filmstudenten oder wem auch immer in der Freizeit dreht, macht Euch bitte keine Gedanken über Urheberrechte und wie Ihr die in Eurem Fall
schützen müßt.
Ihr braucht es einfach nicht!
Konzentriert Euch auf das Filmemachen, auf das Künstlerische, Gestalterische, Erzählerische. Steckt das wenige Geld, das Ihr habt, in Technik
oder vielleicht noch besser in das Catering!
So entstehen gute Kurzfilme! Und Urheberrechte und die Angst, daß Eure Bücher geklaut
werden, brauchen Euch erst mal einfach nicht zu interessieren.
In diesem Sinne!